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Hans Blues

Europatour 85

Europatour 85

naturporno-in-norwegen

! Bitte auf das Bild klicken und genau hinsehen ;-) !

EUROPATOUR '85 ...
EUROPEANTOUR '85 ....

Kalle und ich wollten ein Experiment machen: 8 Monate, ohne Pause, auf Tour. Die EUROPATOUR '85 dauerte dann auch 8 Monate und ging durch 14 Länder: Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Ungarn, CSSR, Frankreich, Luxembourg, Belgien, Holland, Dänemark, Norwegen, Schweden und Finland.

Mitte März starteten wir mit dem inzwischen durch stabile Reklametafeln an den Außenseiten verbesserten BLUESMOBIL in Richtung Süden, nach Bayern. Am 31.3. hatte ich im SINKKASTEN in Frankfurt einen Auftritt. Nach Ende des Konzertes stellte es sich heraus, daß es derselbe, inzwischen umgebaute, Club war, in dem ich vor 22 Jahren mit den JAZZ CARDINALS aufgetreten war: das STORYVILLE – so kanns kommen. Der April sah mich in Süddeutschland, von wo aus wir uns Richtung Italien vorarbeiteten. In Südtirol hatte ich in einem kleinen Bergdorf mein höchstes Konzert: 1800 m Seehöhe. Es fand in einem neuerbauten Gemeindesaal aus Beton statt, auf den alle sehr stolz waren. Man brauchte nicht vor die Tür gehen, um ein gutes Echo zu haben; es war unmöglich unsere PA so einzustellen, daß es kein Feedback gab. Der Sound war grauenhaft, dauernd heulte irgendwas, und das Feedback der spärlich erschienenen Besucher war 0.
Am 20.4. waren wir in Bologna. Der Auftrittsort war im Zentrum, nahe an einem zentralen Platz. Normalerweise gab es ja kaum Parkplätze in Städten, aber den Abend hatten wir Glück: Es gab ganz viele!

Am nächsten Morgen wurden wir im Hotel am Platz durch Militärmusik und Panzerlärm geweckt. Die Italiener feierten - wie ich später erfuhr - ihre Widerstandskämpfer. Ich hätte nie gedacht, daß soo viele gegen den Faschismus waren. Da kann man mal sehen. Als sich das meiste Getümmel gelichtet hatte, gingen wir zum BLUESMOBIL, aber das war, oh Schreck, weg! Ich fand einen Militärpolizisten und versuchte ihm unseren Verlust klarzumachen. Nach einer Weile schien er zu verstehen, worum es ging, lud uns in seinen Jeep und kurvte auf dem - immer noch von Widerständlern bevölkerten - Platz herum. Siehe da, in einer Ecke stand das BLUESMOBIL, zusammen mit ein paar anderen ausländischen Autos. Deren Fahrer hatten sich sicher auch, wie wir, über die vielen freien Parkplätze gefreut. Mit Militäreskorte wurden wir dann aus der Stadt gelotst - sehr freundlich, diese Italiener!

3 Tage später erreichten wir in Ferrara den südlichsten Punkt unserer Reise. Danach ging es via Friaul nach Österreich. Am 30.4. waren wir wieder einmal in Graz. Anfang Mai war ich zum 2. Mal in Wiener Neustadt in einer Kneipe. Bei meinem letzten Auftritt hatte mich ein Gast gefragt, der sich als Direktor eines Gymnasiums vorstellte, ob ich nicht auch Interesse hätte, mal in seinem Gymnasium ein Konzert zu geben. Wenn ich wieder in die Stadt käme. Natürlich hatte ich nichts dagegen, in einer Schule mein Geld zu verdienen, und so kam es, daß wir uns nach einigem Rumfragen vor den Mauern einer Kaserne wiederfanden. Wir konnten es zuerst nicht glauben - Antimilitaristen, die wir beide waren -, aber das MILITÄRGYMNASIUM war tatsächlich eins, und alle Schüler waren in Uniform, die Lehrer auch und der Direktor war wohl Oberst, oder so, jedenfalls auch in Uniform. Mich ließen die Wachen nur rein, weil mich der Oberst persönlich am Tor abholte und in einen karg möblierten Raum führte, wo es Militärbrot und eiserne Rationen gab.

Als Kalle nach ner Weile immer noch nicht aufgetaucht war, ließ ich ihn suchen. Der Oberst schickte einen Schüler-Spähtrupp los, der dann als bald rapportierte, der Herr (Kalle) dürfe nicht aufs Kasernengelände fahren, da er der Wache suspekt sei. Ein Machtwort des Obersten beendete dann diesen Verdacht. Da dem österreichischen Heer schon lange die Feinde abhanden gekommen waren, mußte man aus jedem Nichtmilitär so viel, wie möglich rausholen, vielleicht war er ja der Feind?? Eine Stunde später hieß es:

ANGETRETEN ZUM KONZERT !
Es war eine strange Situation, vorn der Anarchist und als Publikum uniformierte Kinder !

Ich gestaltete mein Programm so "destruktiv" wie möglich:

Viele Stücke zum Mitsingen und -klatschen. Nach ner Weile trauten sich dann ein paar Kinder mitzumachen und nach einer weiteren Weile war der Gig vorbei. Wir hielten es mit Wilhelm Busch: Und schnell verließen wir diesen Ort und zogen eilends weiter fort.

Der nächste Tag sah uns in Ungarn. Ich hatte über verschlungene Wege Kontakt zu einem "Konzertvermittler" bekommen. Er hatte mir 5 Konzerte organisiert. Der Forint war zwar noch viel weniger wert als die DDR-Mark, aber uns reizte das Land. Von den 5 Konzerten fanden dann nur 2 statt, die anderen waren von der staatlichen Konzertagentur sofort storniert worden, nachdem sie Wind davon bekommen hatte, denn "private" Konzertvermittler waren verboten. Am Abreisetag sprach ich dann bei der staatlichen Konzertagentur vor, um mir die Gage für die beiden Konzerte abzuholen. Ich hatte die entsprechenden Bescheinigungen der Veranstalter, aber zahlen wollte man nichts. Ich blieb hartnäckig und bekam dann nach 2 Stunden ca. 60% der Summe ausbezahlt. Dafür kaufte ich einen 20 l Reservekanister und 100 l Motoröl, welches ich im hinteren Teil des BLUESMOBILS verstaute, und tankte voll. Weiter ging es nach Bratislava in der Slovakei. Dort war ich offiziell eingeladen, was auch die Einreise erleichterte. Die waren dort damals fast noch härter drauf, als in der DDR. Ich hatte mit für die ganze Ausrüstung ein CARNET in Berlin vor der Abreise besorgt, dadurch gabs mit dem Zoll wenig Probleme. Die 100 Liter Motoröl setzten zwar jeden Zöllner in Erstaunen, aber irgendwie war die Einfuhr nirgendwo verboten, wenn man behauptete, der Motor verbrauche nun mal viel Öl. Den Rest des Monats tourten wir durch Österreich und die Schweiz.

Bis Mitte Juni tourten wir durch Süddeutschland und die Schweiz, auch das erste Mal in den französischsprachigen - welschen - Teil. Nette Leute dort. Weiter gings über Strasbourg, nach Luxembourg, und dann weiter nach Belgien. Am Monatsende trat ich auf einem OPEN AIR in Maastricht (NL) auf.

Der Juli war Festivalmonat: Nach 2 Gigs in Deutschland stand ich das erste Mal in Ringe (DK) auf dem MIDTFYN FESTIVAL vor ca. 3000 Leuten auf einer der Nebenbühnen. Nach Ringe kamen an den 4 Tagen, Anfang Juli, jedes Jahr ca. 70.000 Leute. Da ging richtig die Post ab! 2 Tage später waren wir in Stockholm zum STOCKHOLM JAZZFESTIVAL. Während des Soundchecks konnte ich Stevie Ray Vaughan mit einem Gitarrengurt aushelfen. Anschließend plauderten wir noch ein bißchen. Stevie war der Haupt-Act, ich fing an, weswegen wir uns beim Soundcheck trafen. Stevie und seine Leute waren nett und sehr kompetent. Daß er, wie viele gute Leute, viel zu früh starb, finde ich jetzt noch traurig. Ich trat dann täglich auf, und fast jeden Tag auf einem Festival. Hier ein Auszug aus dem Tourplan:

7.7. 15.00 S-Stockholm, STOCKHOLM JAZZFESTIIVAL
8.7. 19.00 S-Kalmar, OPEN AIR
9.7. 17.00 S-Norrköping, OPEN AIR
10.7. 21.00 S-Göteborg, NEFERTITI
11.7. 22.30 DK-Tisvildeleje, JAZZHUS
12.7. 21.00 D-Flensburg, FLENSBURG BLUESFESTIVAL
14.7. 20.00 DK-Aerøskøbing, AERØ FESTIVAL
15.7. 20.00 - " -
16.7. 21.00 DK-Tranebjerg, SAMSØ MUSIKFESTIVAL
17.7. 21.00 - " -
18.7. 21.00 - " -
19.7. 22.00 DK-Tarm, AE GAMMEL LAUGSTOW
25.7. 20.30 DK-Lemvig, MUSIKHUSET
26.7. 18.00 DK-Gilleleje, GILLELEJE FESTIVAL

Das GILLELEJE FESTIVAL war immer sehr gut besucht und frühzeitig ausverkauft. Es waren ca. 10.000 Leute dort, und die Stimmung war sehr gut. Die Engagements auf allen diesen Festivals war das Ergebnis meiner jahrelangen Bemühungen. 2 Tage später waren wir wieder auf Bornholm zum REGNBUE-FESTIVAL. Ich hatte dort noch 4 weitere Gigs klargemacht, damit wir ein bißchen Zeit zum Kirschenpflücken in den Wäldern hatten. Als wir im HOTEL ØSTERSØEN ankamen, fand ich meine Befürchtungen bestätigt: In einer Freß-Halle saß in einer Ecke ein Duo und klimperte vor sich hin. Man hörte nichts. Der Raum hallte wieder von Besteckklappern, Rülpsen, Furzen, Kindergegreine und lautstarken Unterhaltungen. Ich sagte zu Kalle: Unser Auftrittsort, er wurde blaß. Doch es kam anders. Der Hoteleigentümer mochte mich nicht und dachte, Kalle sei der Künstler. Ich hatte, glücklicherweise, einen Vertrag, den ich natürlich nicht aus der Hand gab, aus Furcht, der Chef würde ihn zerreissen.

Er sagte zu mir: Vent her, jeg ringer nogen op. (Warte hier, ich rufe jemand an). Nach einer halben Stunde schickte er uns zu einer Hotelanlage in der Nähe. Dort angekommen, war der Manager wohl nicht so ganz glücklich mit dem, was er sich per Telefon eingekauft hatte und sagte: Vent her, jeg ringer nogen op. Wir warteten und betrachteten uns die 15m lange, rot beleuchtete Freiluftbar, den abgedeckten Swimmingpool und das Publikum, welches zwischen 70 und scheintot war.

Nach einer halben Stunde wurden wir wieder ins HOTEL ØSTERSØEN beordert. Doch diesmal in den Keller, wo ich in der HAVNEBAR (Hafenbar) auftreten sollte.
Die Kellnerin mochte mich nicht und Blues schon garnicht. Ich sagte, ich hab hier einen Vertrag. Sie sagte: Vent her, jep ringer nogen op.

Nach einer halben Stunde sagte sie mir (auf dänisch), wenn ich unbedingt auftreten wolle, dann nur im Vorraum. Ich sagte ok, denn sonst würde ich das Geld nicht bekommen. Der Vorraum war ca. 20 qm groß, es ging eine Treppe nach oben, durch eine Tür in die Bar und zu den Klos. Ich suchte eine strategisch günstige Ecke aus, Kalle baute alles auf und ich checkte im Hotel ein. Die Räume waren ok. Ich fing dann gleich zu Spielen an und bat Kalle, nach 2 1/2 Stunden wieder runter zu kommen, da ich mich in der Ecke recht sicher fühlte. Ich spielte meine 3 x 40 Minuten, niemand hörte zu, die Leute torkelten auf die Klos, und ich konnte ein paar Stücke proben, welche ich schon lange nicht mehr gespielt hatte. Während Kalle einpackte, ließ ich mir von der Tussi den Auftritt bestätigen und kassierte unsere Gage am nächsten Tag: 500,- DM.

Bornholm ist das Mallorca des Nordens und alle in der Gastronomie Beschäftigten, mit denen ich dort zu tun hatte, hatten diesen gierigen, kalten Blick, und wenn sie lächelten, erreichte das Lächeln nie ihre Augen.

Der Tag darauf brachte uns in den Nachbarort zum CAPTAIN COOK, einem kleinen Speiserestaurant mit den ortsüblichen, überhöhten Preisen. Zur Feier des Tages gab es "HANS BLUES & BOOGIE BØF (Beefsteak)", von dem wir nichts abbekamen...

Es war keinerlei Platz für mich vorgesehen. Im Durchgang von der Küche zum Lokal fand man dann noch einen Platz. Für die PA gab es natürlich auch keinen Platz. Kalle war allen im Weg und unerwünscht. Es war entwürdigend. Ich blieb, denn wir brauchten das Geld.
Ich stand mit Mühe meine 3 Sets durch. Ich war zu laut, ich störte die Bedienung und blieb ein paar mal mit der Gitarre in der - toupierten - Frisur einer Dame hängen.
Ein wirklich übler Job !
Als ich fertig war und wir das vertragliche Essen verlangten, gab es nichts mehr... und schlafen sollten wir in einer Art Hundehütte.

Wir kauften uns noch was zu essen und fuhren in den Wald zum Übernachten.
Den 2. dort vereinbarten Gig ließ ich sausen.

Das war dann der Juli. Dadurch hatten wir einen freien Tag und der letzte Gig auf Bornholm, Anfang August, in einem FERIECENTER - mit überwiegend deutschem Publikum - versöhnte uns wieder ein wenig mit der Insel.

Mit der Fähre ging es dann nach København und Skanderborg in Dänemark, wo ich auftrat. 3 Tage waren wir dann in DK-Odense zum ODENSE FESTIVAL, wo ich jeden Tag 2 Auftritte, draußen und drinnen, hatte. Den Rest des Monats verbrachten wir in Dänemark und Norddeutschland in Clubs und auf kleineren OPEN AIRs. Am 29.8. begannen wir in Südnorwegen in Risør unsere Norwegentour.

Bis zum 12.9 hatten wir uns nach Sunndalsøra zum VERTSHUSET DRIVA vorgearbeitet.
Ich spielte dort auf Eintritt, Übernachtung, Verpflegung und Getränke waren,
lt. Vertrag, frei. Als ans Abrechnen ging, bekam ich die Abendkasse, ca. 500,- KR. Dann kam der Wirt mit seiner Rechnung. Er wollte 1500,- KR für den Wein haben, den ich getrunken hatte.

Die BLUESBROTHERS ließen grüßen...

Aber im Gegensatz zu den Filmkollegen hatte ich einen Vertrag, vom Wirt unterschrieben. Er war sauer, wir gingen ins Bett. Am 17.9. erreichten wir Narvik, den nördlichsten Punkt unserer Reise.
Der Gig im BENONI & ROSA war nett und am nächsten Tag ging es landeinwärts Richtung Finland, wo wir am 19.9. in Oulu unseren ersten Gig im NÖÖMANNI hatten. Auf den Bergen lag bereits Schnee, die Berghänge erstrahlten in leuchtenden Herbstfarben (FOTOLINK), und wir hatten keine Eile.

Am 20.9. waren wir in SF-Vaasa im WELMU. Ich erinnere nicht mehr viel, außer daß zur Halbzeit meines Konzertes plötzlich die Bullen kamen und die Hälfte des Publikums mitnahmen. Ich fand das sehr befremdlich. Der Manager klärte mich nach Konzertende, während Kalle einpackte, auf:

Es ist in Finland verboten alkoholische Getränke im Stehen zu konsumieren. Wenn man ein Bier bestellen will, muß man einen Sitzplatz haben, sonst gibts nix. Wenn man dann wieder aufsteht und das Glas in der Hand hat macht man sich strafbar. Deswegen teilen sich in den Bierbars, von denen es viele in Finland gibt, meist mehrere Kunden einen Barhocker, setzten sich hin, sagen "yksi oulut" (ein Bier), bekommen es und machen Platz für den nächsten Kunden. Ich hab da so meine Theorien, wieso das eingeführt wurde, auch zu den vielen doppelten IIs, UUs, ÖÖs und so weiter habe ich mir schon Gedanken gemacht, aber das alles auch noch darzulegen würde zu weit führen.

Am 27.9. war ich, groß angekündigter, Gast auf dem JYVESKYLÄ BLUES FESTIVAL.
Nach meinem Auftritt setzte ich mich an einen Tisch und bestellte yksi vinii und bekam dann eine Karaffe Rotwein, welcher für die Musiker frei war, Ich ging damit backstage zu den anderen Musikern, um ein bißchen zu quatschen. Plötzlich geht die Tür auf, eine Walküre erscheint, entreißt mir mit heftigstem finnischen Wortschwall den Wein und verschwindet. Ich war mir keines Unrechts bewußt, denn ich saß auf einer Bank. Ich gehe wieder raus, setzt mich hin, bestelle mir wieder yksi vinii, nahm die Karaffe und das Glas backstage und verstecke alles unter der Bank. Tür geht auf, Walküre erscheint, findet Wein und verschwindet wieder.
Meine Musikerkollegen lachten sich krank und klären mich dann auf:
In Finland ist es Musikern verboten auf und hinter der Bühne Alkohol zu konsumieren !

Also, wer sich das ausgedacht hat, muß ganz schön weit von der Realität entfernt gewesen sein !!!

Nach einem weiteren Gig in Finland waren wir dann wieder am 30.9. in Schweden, nördlich von Sundsvall, in Kramfors. Von dort arbeiteten wir uns wieder südwärts und kamen am 24.10. wieder in Dänemark an. An den Offdays gab es, wenn Kalle nichts fing, Pilze und Kartoffeln, sonst Fisch, Pilze und Kartoffeln. Wir hatten nicht mehr so viele Gigs, was uns nach dem strammen Touren recht war. Wir waren uns nach 4 Monaten schon recht heftig auf den Geist gegangen, inzwischen ging es wieder. Das Übelste war die Mißachtung von Kalle durch Manager und Wirte. Obwohl ich ihn als gleichberechtigten Partner, was er ja auch war, vorstellte, wurde er nicht so behandelt. Es war klar, daß wir nicht nochmal eine so lange Tour gemeinsam machen würden; es war einfach zu stressig.
Den Rest des Monats verbrachten wir in Dänemark. Es war schon recht kalt und wurde früh dunkel.

Es hatte sich herausgestellt, daß ich eine weitere LP aufnehmen sollte, sobald ich zurück in Berlin war. Die erste LP hatte sich gut verkauft, und so wie es aussah, konnte man eine weitere, mit anderen Stücken, gut verkaufen. Kalle hatte sich zu einem exzellenten Fotografen entwickelt, und es war klar, daß er nicht nur die Fotos, sondern auch die Covers machen sollte. Bei unseren Diskussionen stellte sich dann heraus, daß es 1 LP, 1 Maxisingle und 2 Singles werden sollten. Die LP sollte ON TOUR heißen und auch optisch das Unterwegssein wiedergeben. Dazu brauchten wir eine kleine, geflickte Straße mit Mittel- und Randstreifen.

Im November waren wir immer noch in Dänemark, und hatten ein paar Tage in Odense, wo ich noch Connections hatte, an Offdays Unterschlupf gefunden, Ich ging dann gleich zum Vejvaesen (Straßenmeisterei), fragte mich dort durch und schilderte unser Problem:

Geflickte Straße mit Mittel- und Seitenstreifen für das nächste LP-Cover. Die Beamten waren sehr interessiert und hilfsbereit, aber es gab ein Problem: Fast alle Straßen waren gut gepflegt, es gab kaum geflickte Straßen, und schon garnicht mit Streifen. Einer fragte dann, wie lang die Streifen sein müßten. Ich sagte, so ca. 10 Meter, er fragte wieviel Tage wir die Streifen bräuchten, ich sagte , ca. 3. Wäre es ok, wenn die Streifen aufgemalt werden würden, dort wo wir die Fotos machen wollten? Ich sagte, daß sei sicher die Lösung und bedankte mich schon mal vorab. Es wurde dann gleich ein vej-inspektør herbeigerufen, ich erklärte ihm unser Problem, und Kalle und ich fuhren ihm im BLUESMOBIL hinterher. Nach einer Weile fanden wir dann eine abgelegene Straße, welche unseren Anforderungen entsprach. Wir legten die Länge der Streifen fest und am nächsten Tag waren sie aufgesprüht, und wir konnten die Fotos machen. Ob das auch in Deutschland möglich gewesen wäre, wenn ein deutsch sprechender Däne eine Straßenmeisterei um so einen Gefallen gebeten hätte?

Ich habe da so meine Zweifel...

Im übrigen wollten die nicht mal etwas dafür haben. Ich schickte dem Vejvaesenet dann 1 LP mit Widmung.
Das Foto zur Single RÜCKSICHT entstand dann noch in Süd-Dänemark an der Autobahn, als wir am 17.11. wieder nach Berlin fuhren.

8 Monate waren wir unterwegs gewesen, 52.315 km waren wir gefahren, DM 4000,- bekam Kalle - er hatte es nicht des Geldes wegen gemacht, mein Management (15%) brachte mir DM 5734,50, DM 960,- Altschulden aus dem Vorjahr wurden getilgt, DM 1370,- aus 1984 wurden auf 1986 vorgetragen und als Gage blieb mir DM 2,--.
Nun, es war egal, auf welche Weise das Geld reinkam, Hauptsache es ging weiter und voran.

In Berlin machte ich dann gleich mit Christof Rinnert einen Studiotermin klar (er hatte zusammen mit einem Kollegen ein Studio aufgemacht) und nahm im November an 2 Tagen alle Titel für die Schallplatten auf. Zusammen mit Kalle machten wir in Berlin dann noch die restlichen Fotos für die Maxisingle und die 2. Single. Christof machte dann noch Mix und Endmastering, und das Jahr ist um.

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due to lack of time I'm not able at the moment, to translate the story above into english.
It will, though, taken into consideration, if enough visitors are interested in an english version. If you go to the menue-point NEWS, you'll find FORUM, where you can leave messages, make comments and state requests.

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